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Konflikte? Lieb ich mittlerweile. Du auch schon?

20. Aug.
3 Min. Lesezeit

von Nicki Tuschl


Als Kind haben mich Konflikte extrem verunsichert. Ich war schon immer sehr harmoniebedürftig

und bin deswegen Konflikten oft aus dem Weg gegangen. Ich erinnere noch gut, dass im

Kindergarten in unserer Gruppe sehr oft gestritten wurde. Vermutlich nicht nur bei uns.

Und je nachdem, welche pädagogische Fachkraft an dem Tag bei uns war, gab es unterschiedliche

Aussagen, wie ich mich jetzt „richtig“ verhalten sollte.

„Nimm dir das doch nicht so zu Herzen.“ Okay. Also bin ich zu empfindlich?

„Du musst dich auch mal durchsetzen!“ Okay. Also war ich nicht stark genug?

„Du kannst aber auch nicht immer deinen Dickkopf durchsetzen.“ Moment. Sollte ich mich nicht

gerade noch durchsetzen?

Und dann natürlich der Klassiker: „Der Klügere gibt nach.“ Also gebe ich jetzt nach?

Oder setze ich mich durch? Soll ich für mich einstehen oder Rücksicht nehmen? Soll ich sagen, was

mich verletzt hat oder es mir einfach nicht so zu Herzen nehmen? Ganz schön kompliziert.

Gefühlt waren es: 10 Erwachsene. 15 Meinungen. Und ich mittendrin.

Heute weiß ich natürlich: Die meisten dieser Sätze waren gut gemeint. Die Erwachsenen wollten

helfen. Aber mir haben sie damals vor allem eines gegeben: Unsicherheit. Denn was mir gefehlt hat,

war nicht noch ein weiterer Ratschlag, wie ich mich in einem Konflikt verhalten sollte. Mir fehlte

eine Orientierung dafür, wie Konfliktlösung überhaupt funktioniert. Und genau deshalb hat mich

das Konflikthaus (Sasse, Hohmann), welches ich in meiner Ausbildung zur Konflikttrainerin

kennengelernt habe, als Erwachsene so gepackt.

Weil ich plötzlich dachte: Warum hat mir das eigentlich niemand früher so gezeigt? Konfliktlösung

muss gar nicht bedeuten, dass eine:r gewinnt und der/die andere verliert. Es muss sich nicht immer

eine:r durchsetzen. Es muss auch nicht automatisch der/die „Klügere“ nachgeben. Und wir müssen

Kindern erst recht nicht von außen sagen, welche Lösung jetzt die richtige wäre. Wir dürfen im

Streit erst einmal verstehen. Was ist eigentlich passiert? Wie geht es jedem damit? Was war mir in

diesem Moment wichtig? Was war der anderen Person wichtig?

Und dann kommt für mich einer der entscheidenden Punkte: Wie können wir das miteinander

aushandeln? Nicht gegeneinander, sondern miteinander.

Genau dafür gibt das Konflikthaus eine unglaublich simple Struktur. So einfach und gleichzeitig so

krass gut. Wir sorgen zunächst für die Grundlage, um überhaupt ins Gespräch zu gehen. Bevor wir

versuchen zu verstehen, was hinter dem Verhalten steckt. Und erst dann suchen wir nach einer

Lösung. Das klingt so simpel und gleichzeitig verändert es unglaublich viel.

Denn plötzlich lautet die Frage nicht mehr: “Wer hat angefangen?” oder: “Wer hatte das Spielzeug

zuerst?” Sondern: Wie könnt ihr gemeinsam zu einer guten Lösung kommen?

Und vielleicht berührt mich genau deshalb die Arbeit mit dem Konflikthaus so sehr. Weil ich heute

Kindern etwas mitgeben kann, was mir selbst als Kind gefehlt hat: Orientierung im Konflikt.

Nicht den nächsten gut gemeinten Spruch, oder die Erwartung, nachzugeben. Nicht die

Aufforderung, mich endlich durchzusetzen, sondern die Erfahrung: Meine Sicht darf hier sein und

deine Sicht darf auch hier sein. Und jetzt schauen wir gemeinsam, wie wir damit umgehen.

Stell dir einmal vor, was Kinder daraus für ihr späteres Leben mitnehmen können:

Dass ein Konflikt nicht automatisch bedeutet, dass eine:r verlieren muss.

Dass unterschiedliche Bedürfnisse nebeneinander existieren dürfen.

Dass ich für mich einstehen und dich dabei im Blick behalten kann.

Dass wir uns richtig uneinig sein können und trotzdem miteinander verbunden bleiben.

Und dass eine gute Lösung nicht unbedingt die ist, bei der beide exakt dasselbe bekommen,

sondern die, bei der beide sich verstanden fühlen und an der Lösung beteiligt sind.

Das ist für mich Konfliktkompetenz. Und genau deshalb wünsche ich mir, dass das Konflikthaus in

allen Kitas Einzug hält und Kindern, wie auch Erwachsenen Halt und Orientierung bietet.

Wir können und sollten Kindern nicht jeden Konflikt ersparen, aber wir können ihnen etwas viel

Wertvolleres mitgeben: Eine Orientierung dafür, wie sie sich in Konflikten zurechtfinden können.

Damit aus „Du musst dich durchsetzen!“ und „Der Klügere gibt nach!“ irgendwann etwas ganz

anderes wird: „Lass uns erst einmal verstehen, was euch beiden wichtig ist.“

Genau diese Haltung und unsere Vision (wer noch mit dahinter steckt, erfährst du dann) von

Konfliktkönner-Kitas möchte ich dir in meinem Online-Webinar am 10. September im Herzwerk

zeigen.

Vielleicht wirst du danach Kinderkonflikte nicht nur anders begleiten, sondern auch auf den ein

oder anderen Konflikt aus deinem eigenen Leben ein bisschen anders schauen.

Ich freue mich auf dich!

Herzliche Grüße

Nicki

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